Israelische Armee spioniert Palästinenser in Gaza mit Google Fotos aus - NYT

Von Bohdan Kaminskyi | 28.03.2024, 18:20
Israelische Armee spioniert Palästinenser in Gaza mit Google Fotos aus - NYT
Levi Meir Clancy/Unsplash

Der israelische Militärgeheimdienst setzte im Gazastreifen ein experimentelles Gesichtserkennungsprogramm ein, mit dem palästinensische Bürger fälschlicherweise als Mitglieder der Hamas identifiziert wurden.

Was bekannt ist

Nach Angaben der New York Times sollte das Programm ursprünglich dazu dienen, israelische Geiseln aufzuspüren, wurde aber später eingesetzt, um alle möglichen Hamas-Mitglieder zu identifizieren. Es basierte auf einer Technologie des israelischen Unternehmens Corsight, die nach Angaben der Entwickler Personen auch bei schlechter Bildqualität genau erkennen kann.

In der Praxis, so ein Beamter der Einheit 8200, lag das System jedoch oft falsch, insbesondere bei der Erkennung von unscharfen oder beschädigten Gesichtern. Die Ungenauigkeiten führten zu Fällen, in denen palästinensische Zivilisten fälschlicherweise als Hamas-Mitglieder eingestuft wurden.

Nach Angaben von drei israelischen Offizieren nutzte das Militär zusätzlich Google Photos, um die Erkennungsgenauigkeit zu verbessern. Geheimdienstmitarbeiter luden Fotos von bekannten Personen auf den Dienst hoch und nutzten eine Fotosuchfunktion, um sie anhand von Überwachungsaufnahmen zu identifizieren.

Ein Offizier merkte an, dass die Fähigkeiten von Google bei der Erkennung von teilweise verborgenen Gesichtern besser seien als die von Corsight, aber letzteres wurde verwendet, weil es besser anpassbar war.

Zu den irrtümlich Festgenommenen gehörte der Dichter Mosab Abu Toha, der vom israelischen Militär mehrere Tage lang festgehalten und verhört wurde, weil es ihn aufgrund eines Erkennungsfehlers für ein Hamas-Mitglied hielt. Er wurde anschließend freigelassen, nachdem er den Fehler zugegeben hatte.

Google bestätigte, dass der Dienst nur die Gesichter zusammenfasst, deren Fotos der Nutzer selbst zur Bibliothek hinzugefügt hat. Der Dienst identifiziert keine unbekannten Gesichter.

Quelle: Die New York Times, Engadget